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Historie

Jüdisches Leben gehört seit dem Mittelalter zur Geschichte Esslingens. Zeiten des Zusammenlebens wechselten sich mit Verfolgung, Vertreibung und Neubeginn ab. Diese Zeitleiste lädt dazu ein, wichtige Stationen dieser mehr als 700-jährigen Geschichte zu entdecken.

1241

Erster urkundlicher Nachweis der jüdischen Gemeinde

Der erste eindeutig belegte urkundliche Nachweis einer organisierten jüdischen Gemeinde stammt aus dem Jahr 1241, als sie im sogenannten Reichssteuerverzeichnis erwähnt wurde. Hinweise sprechen jedoch dafür, dass Juden bereits vor 1209 in Esslingen lebten.

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Im 13. Jahrhundert entwickelte sich Esslingen zu einem der bedeutendsten Orte jüdischen Lebens im Gebiet des heutigen Württemberg. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Bedeutung der freien Reichsstadt als Handelsplatz und Verkehrsknotenpunkt. Die günstigen wirtschaftlichen Bedingungen zogen jüdische Familien an und ermöglichten die Entstehung einer dauerhaft bestehenden Gemeinde.

Mit ihrer eigenen Synagoge und einem eigenen Friedhof verfügte die Gemeinde bereits über die wichtigsten Einrichtungen eines selbstständigen Gemeindelebens. Die Größe der Gemeinde und ihre eigenen religiösen Einrichtungen belegen, dass jüdisches Leben bereits im 13. Jahrhundert fest zur Geschichte Esslingens gehörte.

1290

Der Esslinger Machsor entsteht

Der Esslinger Machsor aus dem Jahr 1290 gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen mittelalterlicher jüdischer Kultur. Das prachtvoll ausgestattete Gebetbuch ist die älteste datierte hebräische Handschrift aus dem mittelalterlichen Deutschland. Für Esslingen besitzt es einen unschätzbaren Wert: Es zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und kulturell bedeutend das jüdische Leben in der Stadt bereits vor mehr als 700 Jahren war.

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Dass ein so großes, aufwendiges Werk in Esslingen in Auftrag gegeben wurde, verrät viel über die damalige jüdische Gemeinde. Die Anfertigung eines prachtvoll ausgestatteten Gebetbuchs erforderte erhebliche finanzielle Mittel und einen erfahrenen Schreiber. Der Esslinger Machsor zeigt damit, dass Ende des 13. Jahrhunderts eine wohlhabende, gebildete und religiös gefestigte jüdische Gemeinde in der Stadt lebte. Er ist ein eindrucksvolles Zeugnis ihres religiösen und kulturellen Lebens.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Handschrift auseinandergetrennt. Heute werden ihre erhaltenen Teile in Bibliotheken in New York, Amsterdam, Dresden und Breslau aufbewahrt; ein weiterer Teil gilt als verschollen. Trotz dieser bewegten Geschichte ist der Esslinger Machsor bis heute eines der bedeutendsten Zeugnisse der mittelalterlichen jüdischen Geschichte Esslingens. Er erinnert an eine Gemeinde, die das religiöse und kulturelle Leben der Stadt über viele Generationen mitprägte.

Quellen: Erster Band (JTS) · Zweiter Band (SLUB Dresden)

1348

Das Ende der ersten jüdischen Gemeinde

Mit den Pestverfolgungen von 1348 endete die erste jüdische Gemeinde Esslingens. Was über mehr als ein Jahrhundert gewachsen war, wurde innerhalb kurzer Zeit zerstört. Sichtbare Zeugnisse sind kaum erhalten, doch ihre Geschichte lässt sich bis heute im historischen Stadtgrundriss und in den Quellen nachvollziehen.

1375

Die Rückkehr jüdischen Lebens nach Esslingen

Nur wenige Jahrzehnte nach den Pestverfolgungen kehrte jüdisches Leben nach Esslingen zurück. 1375 erlaubte Kaiser Karl IV. der Reichsstadt erneut, jüdische Familien aufzunehmen. Es entstand eine zweite mittelalterliche Gemeinde mit einer neuen Synagoge, die fast ein Jahrhundert lang das Leben der Stadt mitprägte. Erst die wirtschaftlichen Folgen des Städtekriegs um 1455 führten dazu, dass die meisten jüdischen Familien Esslingen wieder verließen.

1529

Der letzte Neubeginn der mittelalterlichen Gemeinde

Ab 1529 entstand in Esslingen noch einmal eine kleine jüdische Gemeinde. Aus wenigen Familien entwickelte sich erneut ein Gemeindeleben mit Betsaal. Doch wegen des politischen Drucks aus Württemberg währte dieser Neubeginn nur kurz. Bereits 1543 mussten die verbliebenen Familien die Reichsstadt verlassen. Erst über 250 Jahre später entstand wieder eine jüdische Gemeinde in Esslingen.

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Die Aufnahme jüdischer Familien fiel in eine Zeit tiefgreifender Umbrüche. Bauernkrieg, Reformation und politische Veränderungen im Heiligen Römischen Reich veränderten auch die Handlungsspielräume der Reichsstädte. Vor diesem Hintergrund entschied sich der Esslinger Rat nach mehrjährigen Verhandlungen erneut für die Aufnahme jüdischer Familien.

Für viele jüdische Familien waren sichere Ansiedlungsmöglichkeiten inzwischen selten geworden. Nachdem jüdisches Leben in vielen Städten Südwestdeutschlands bereits verschwunden war, gehörte Esslingen zu den wenigen Städten, die einen solchen Neubeginn ermöglichten. Allerdings waren die Bedingungen ungewöhnlich weitreichend. Neben hohen Schutzgeldern mussten die Familien der Stadt ein zinsloses Darlehen gewähren und zahlreiche weitere Verpflichtungen übernehmen. Im Gegenzug erhielten sie den Schutz der Reichsstadt sowie die Möglichkeit, Handel zu treiben und sich eine neue Existenz aufzubauen.

Aus wenigen Familien entstand innerhalb kurzer Zeit wieder eine kleine Gemeinde mit Betsaal. Die Aufenthaltsrechte wurden sogar noch kurz vor der Ausweisung verlängert – ein Zeichen dafür, dass der Rat zunächst an ihrem Fortbestand festhielt. Dennoch endete dieser Neubeginn bereits 1543. Ausschlaggebend war nicht das Zusammenleben in Esslingen, sondern die judenfeindliche Politik Württembergs. Mit dem Vertrag von 1542 verpflichtete sich die Reichsstadt, ihre jüdischen Einwohner auszuweisen. Ende 1543 mussten die letzten acht Familien Esslingen verlassen.

1806

Der Neubeginn jüdischen Lebens im Königreich Württemberg

Mit dem königlichen Schutzbrief von 1806 begann nach mehr als 250 Jahren der Wiederaufbau einer jüdischen Gemeinde in Esslingen. Bis 1828 entwickelte sich aus den ersten jüdischen Familien wieder eine dauerhafte Gemeinde. Trotz rechtlicher Einschränkungen und wirtschaftlicher Widerstände entstanden die grundlegenden Einrichtungen des jüdischen Gemeindelebens. Diese Jahre legten das Fundament für die weitere Entwicklung der jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert.

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Die politischen Umbrüche der napoleonischen Zeit veränderten auch in Württemberg die staatlichen Strukturen. Esslingen verlor seine Selbstständigkeit als Reichsstadt und wurde Teil des Königreichs Württemberg. Dadurch konnten erstmals wieder jüdische Familien in der Stadt aufgenommen werden. Die Niederlassung blieb jedoch an staatliche Genehmigungen sowie an rechtliche und wirtschaftliche Voraussetzungen gebunden.

Die Ansiedlung führte zu Spannungen mit Teilen der Esslinger Kaufleute. Sie befürchteten wirtschaftliche Nachteile und wandten sich mit Beschwerden an die Behörden. Dennoch wuchs die Gemeinde Schritt für Schritt. In den folgenden Jahren entstanden ein Friedhof, eine Mikwe (rituelles Bad), ein Betsaal, später eine Synagoge sowie eine eigene Schule. Sie zeigen, dass aus den ersten aufgenommenen Familien wieder eine lebendige jüdische Gemeinde entstanden war.

1807

Die Anlegung des Friedhofs vor dem Beutautor

1807 legte die neu gegründete jüdische Gemeinde vor dem Beutautor ihren ersten Friedhof seit dem Mittelalter an. Er machte deutlich, dass jüdisches Leben in Esslingen wieder dauerhaft Bestand haben sollte. Bis 1874 fanden hier rund 100 Bestattungen statt. Der Friedhof wurde in der NS-Zeit verwüstet, ist jedoch bis heute erhalten und gilt als geschütztes Kulturdenkmal.

Führungen über den alten jüdischen Friedhof bietet der Verein Denk-Zeichen e.V. regelmäßig an.

Quelle: Alemania-Judaica.de
→ Alter jüdischer Friedhof auf Google Maps

1819

Die Errichtung der Synagoge im Heppächer

1819 erwarb die jüdische Gemeinde das ehemalige Zunfthaus der Schneider im Heppächer und richtete dort ihre Synagoge ein. Mit Unterrichtsraum sowie der Wohnung des Lehrers und Vorbeters entstand ein Gemeindezentrum, das zum religiösen und gemeinschaftlichen Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Esslingen wurde.

Quelle: Alemania-Judaica.de
→ Synagoge im Heppächer auf Google Maps

1824

Die Gründung der israelitischen Konfessionsschule

Mit der Gründung der israelitischen Konfessionsschule erhielt die jüdische Gemeinde erstmals eine eigene Bildungseinrichtung. Zu ihrem ersten Lehrer wurde Eppstein berufen, der zu den Pionieren des jüdischen Schulwesens in Württemberg zählte. Der Unterricht fand zunächst im Gemeindezentrum im Heppächer statt und legte den Grundstein für das jüdische Schulwesen in Esslingen.

1828

Die rechtliche Neuordnung der jüdischen Gemeinde

Mit dem Emanzipationsgesetz von 1828 begann für die jüdische Gemeinde in Esslingen eine neue Phase ihrer Geschichte. Der Schutzjudenstatus wurde aufgehoben und die Gemeinde erhielt erstmals eine gesicherte rechtliche Stellung im Königreich Württemberg. Damit entstanden neue Voraussetzungen für ihre weitere Entwicklung, auch wenn die vollständige Gleichstellung noch ausblieb.

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Die rechtliche Neuordnung der jüdischen Gemeinden war Teil der tiefgreifenden Veränderungen im Königreich Württemberg nach der napoleonischen Zeit. Sie sollte die unterschiedlichen Rechtsverhältnisse vereinheitlichen und die jüdische Bevölkerung schrittweise in den Staat eingliedern. Gleichzeitig ordnete sie das jüdische Gemeindeleben neu und stellte es unter staatliche Aufsicht.

Auch in Esslingen wurde die geplante Gleichstellung nicht von allen begrüßt. Teile der Kaufmannschaft befürchteten wirtschaftliche Konkurrenz und sprachen sich gegen das Gesetz aus. Dennoch trat es in Kraft und veränderte die Stellung der jüdischen Gemeinde grundlegend. Aus einer geduldeten Schutzgemeinde wurde eine anerkannte Religionsgemeinschaft, die sich in den folgenden Jahrzehnten weiter entfalten konnte. Die vollständige rechtliche Gleichstellung wurde allerdings erst später erreicht.

1842

Die Eröffnung der Wilhelmspflege

Mit der Eröffnung des israelitische Waisenhauses Wilhelmspflege schuf die jüdische Gemeinde Esslingen eine Einrichtung, die Wohltätigkeit (Heb. Zedaka) und Bildung miteinander verband. In einem Haus an der Entengrabenstraße bot sie jüdischen Waisen und bedürftigen Kindern Fürsorge sowie neue Bildungs- und Berufsperspektiven.

→ Das alte israelitische Waisenhaus Wilhelmspflege auf Google Maps

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Zum ersten Hausvater wurde Leopold Liebmann berufen, der zugleich die israelitische Konfessionsschule leitete. Unter seiner Leitung wurden Gemeindeschule und Wilhelmspflege zu einem gemeinsamen Bildungs- und Erziehungszentrum verbunden. In den folgenden Jahrzehnten gewann die Wilhelmspflege weit über Esslingen hinaus Ansehen und entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum jüdischer Pädagogik in Württemberg.

1873

Die Wilhelmspflege öffnet den Weg in das bürgerliche Berufsleben

Unter der Leitung von Leopold Stern bewährte sich die Wilhelmspflege als Brücke in ein selbstständiges Berufsleben. Sie eröffnete jüdischen Kindern neue Zukunftsperspektiven und trug damit wesentlich zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verankerung der jüdischen Gemeinde in Esslingen bei.

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Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der jüdischen Gemeinde wuchs auch der Bedarf an gut ausgebildeten jungen Menschen. Unter Leopold Stern vermittelte die Wilhelmspflege ihre Zöglinge erfolgreich in Lehr- und Arbeitsstellen. Sie fanden ihren Platz sowohl in jüdischen Betrieben wie der Goldwarenfabrik Jacob Levi als auch in Esslinger Unternehmen wie C. G. Steudel oder Deffner. Die 1883 gegründete Adolf-Levi-Stiftung unterstützte diesen Weg zusätzlich und förderte ehemalige Zöglinge beim Einstieg in einen „ehrbaren Lebensberuf“.

1874

Der neue jüdische Friedhof

[Entwurf — Text folgt]

1913

Die Wilhelmspflege als Aushängeschild der Gemeinde

Die Einweihung des Neubaus der Wilhelmspflege 1913 im Beisein des württembergischen Königspaars machte den erfolgreichen Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde seit ihrem Neubeginn im frühen 19. Jahrhundert sichtbar. Zugleich unterstrich sie die hohe Wertschätzung, die Gemeinde und Wilhelmspflege inzwischen weit über Esslingen hinaus genossen.

→ Das neue israelitische Waisenhaus Wilhelmspflege auf Google Maps

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Theodor Rothschild war nicht nur Hausvater und Hauptlehrer der Wilhelmspflege, sondern zugleich Vorsitzender und Vorsänger der jüdischen Gemeinde Esslingens. In seiner Person vereinten sich die Leitung der Wilhelmspflege sowie die organisatorische und religiöse Führung der Gemeinde. Als einer der angesehensten jüdischen Pädagogen Württembergs wirkte er weit über Esslingen hinaus und machte die Wilhelmspflege zu einem Vorbild jüdischer Erziehung. Der Neubau in der Mülbergerstraße 146 wurde 1913 zum sichtbaren Ausdruck dieser Entwicklung. Das Gebäude ist bis heute erhalten und trägt heute zu seiner Erinnerung den Namen Theodor-Rothschild-Haus.

1933

Die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung beginnt

[Entwurf — Text folgt]

Noch in Arbeit